Kenneth Posey

TIRE TRACKS

 

Andreas Luketa

musicals April / Mai 2002, Heft 94

 

Nach seinem sensationellen CD-Debüt, IF I SING, mit dem Musicaldarsteller Kenneth Posey letztes Jahr eine der bisher besten deutschen CD-Produktionen im Bereich Musical-Soloalbum abgeliefert hatte, war für Anfang 2002 ein 'Jazz meets Musical'-Album des Künstlers angekündigt.  Doch manchmal ändern sich künstlerische Pläne und Ziele und so ist nun erst einmal die Multimedia-CD TIRE TRACKS als eine Art musikalisches Intermezzo veröffentlicht worden, die anstelle von Jazzklängen kompakte Rocksounds zu bieten hat....Als limitierte Erstauflage im Digipack und später dann als normale Jewel-Box erhältlich, bieten die sechs Titel auf TIRE TRACKS zum Glück eine überaus hohe Qualität, wodurch die kuriose Erscheinungsform der Veröffentlichung relativiert wird.  Schon bei den beiden Openern "Tire Tracks" und dem grandiosen "A kiss is a terrible thing to waste" fliegen dem braven Musicalfan die Ohren weg.  Lloyd Webbers 'Whistle Down The Wind'-Nummern überzeugen als druckvolle Neuinterpretationen nicht nur dank Kenneth Poseys gesanglich wie auch stilistisch ganz beachtlicher Bandbreite; maßgeblich Anteil daran haben auch die Leistungen seiner leidenschaftlichen Duettpartnerin Leah delos Santos und die für ein Soloalbum geradezu sensationell guten Arrangements von Koen Schoots.  Produktionstechnisch (verantwortlich zeichnen Mark Holmes und Kenneth Posey) hat man mit kurzen Dialogsequenzen versucht, die Spannung einer Castaufnahme einzufangen, was auch durchaus funktioniert.  "A kiss is a terrible thing to waste" wird dank Kenneth Poseys begeisternder Interpretation und dem kompakten und hervorragend produzierten Sound zum schillernden Höhepunkt der Aufnahme.  Auch mit der Aufnahme "Elaborate Lives" vermag das Produktionsteam zu punkten, und Posey und seine Duettpartnerin zu begeistern.  Die letzten beiden Tracks stammen aus Richard O'Briens 'Rocky Horror Show' und nach einem leidenschaftlich intonierten (und überaus spannend arrangierten) Solo "I'm going home" wird die Ensemblenummer "There's a light" zu einer beinah' siebenminütigen Gospelnummer, die produktionstechnisch als überaus interessante Mischung aus um Transparenz bemühter Castaufnahme und enthemmter Jam-Session daherkommt und beim Hörer ein Feuerwerk der guten Laune entflammt.  Lob an dieser Stelle dem 12-köpfigen Chor, der auch für die sehr guten Background-Vocals sorgt.  Starkes 6-Track-Rockalbum!

 

press        home